München – Nicht nur im Glockenbachviertel, sondern auch drüben auf der anderen Isarseite in der Au liegt schon am Samstagvormittag bunte Vorfreude in der Luft. Neben den rund 140 angemeldeten Gruppen auf der CSD- Politparade sind die Straßen voller Menschen, die sich in Position bringen.

400.000 Besucher kamen zum CSD nach München

Kein Wunder: Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause ist der CSD so groß wie nie. 400.000 Besucher, darunter 27.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Parade, sind am Samstag laut Veranstalter auf Münchens Straßen und Plätzen unterwegs. Beim letzten CSD im Jahr 2019 zählten Polizei und Veranstalter insgesamt 155.000 Menschen.

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"Less me, more we": Dieter Reiter und Katrin Habenschaden dabei

Angeführt von den Motorrädern der Dykes zieht die Vereinigung Munich Kyiv Queer zusammen mit dem politischen Sprecher des CSD, Thomas Niederbühl, und dem Schirmherrn Dieter Reiter unter dem Motto "Less me, more we" an der Spitze los. Auch die Grünen und die Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden sind mit auf der Parade.

Katholischer Pfarrer Wolfgang Roth kam auch zum CSD

Flagge zeigt auch der katholische Geistliche Wolfgang Rothe. Mit schwarzem Hemd, weißem Priesterkragen und Regenbogenfahne sei es ihm ein Anliegen, für seinen Teil "um Verzeihung zu bitten für das, was queeren Menschen in unserer Kirche angetan wurde", so der Pfarrvikar einer Münchner Pfarrei.

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Oberbürgermeister Dieter Reiter mittendrin beim CSD. © Daniel von Loeper

Mit großem Applaus wird der Zug erstmals auf der Reichenbachbrücke empfangen und zieht vier Kilometer lang weiter über den Gärtnerplatz und durchs Glockenbachviertel Richtung Marienplatz. Auf der ganzen Strecke jubeln Hunderttausende Münchner der LGBTIQ*-Gemeinde zu, tanzen auf den Gehsteigen oder lassen sich Regenbogen auf den Körper malen. 

"Auch ein Zeichen gegen den Krieg"

Am Samstagnachmittag eröffnen Thomas Niederbühl und Dieter Reiter auf dem Marienplatz offiziell den CSD, und beide sind sichtlich überwältigt. Niederbühl sagt: "Das ist der größte und längste CSD, den München je gesehen hat. Dieser Tag heute ist auch ein Zeichen gegen den Krieg." Auch Dieter Reiter bestätigt: "Unglaublich! Ich habe auch noch nie so viele Menschen am Straßenrand gesehen."

Das Motto "weniger ich, mehr wir" würde gesellschaftspolitisch auf so viele Bereiche passen, so Reiter. Der CSD stehe in diesem Jahr doppelt für Solidarität. Zum einen für die Ukraine, zum anderen für die LGBTIQ*, "mit denen, die ihre Sexualität nicht so einfach auf die Straße tragen dürfen".

Dieter Reiter: "Seid laut, genießt das Leben!"

Solange noch Anschläge auf die queere Szene passieren wie kürzlich in Oslo, sei man noch lange nicht fertig mit dem CSD-Thema. Er läutet das Pride-Wochenende ein mit den Worten "Seid laut, genießt das Leben!" und appelliert mit Blick auf die anstehende Rathaus-Clubnacht: "Lasst noch ein bisschen was vom Rathaus stehen!" Das hat funktioniert. Auf dass das Rathaus auch in Zukunft die Forderungen der LGBTIQ* im Blick haben kann.

Polizei über den CSD: Ein friedliches Fest

Es sei ein fröhliches, friedliches Fest, beschrieb ein Polizeisprecher die Atmosphäre auf dem CSD in München. Die Bundespolizei hatte in der Fußgängerzone einen mit Regenbogenfahnen geschmückten Stand aufgebaut. Auf dem Marienplatz gab es ein breites Programm von einer Drag Show über Konzertauftritten bis zum Gedenken an die Opfer des Krieges in der Ukraine und die Opfer von HIV und Aids.

Die Bilder von der CSD-Parade in München gibt's oben zum Durchklicken.